Bremen ist die „City of Space“ – und das hat eine wesentliche Begründung im Ariane-Werk Bremen. Darauf hat Bürgermeister Andreas Bovenschulte gestern (1. Oktober 2026) vor der Betriebsversammlung der Ariane Group hingewiesen. Es sei daher auch kein Zufall, dass ein Modell der Ariane 6 gerade neben dem Rathaus beim Tag der Deutschen Einheit aufgebaut ist.
Bovenschulte sagte: „Das passt ziemlich gut: Die Stadtmusikanten stehen für Bremen. Die Ariane steht für das, was Bremen heute technologisch und industriell kann. Zusammen zeigt das: Diese Stadt hat Tradition – und sie hat Zukunft. Die erfolgreichen Starts zeigen: Auf Ariane ist Verlass. Hinter jedem dieser Starts stehen Menschen, die entwickelt, gebaut, geprüft und Probleme gelöst haben. Viele davon arbeiten hier in Bremen.“
Wachsende Nachfrage nach Trägersystemen
Ariane könne auf eine wachsende Nachfrage nach leistungsfähigen und zuverlässigen Trägersystemen setzen, betonte Bovenschulte. Der Bedarf an sicheren Transportsystemen für Satelliten steige: Das Galileo-System wachse weiter, kommerzielle Satelliten und neue Konstellationen bräuchten Starts. Der Bund stelle in den kommenden Jahren 35 Milliarden Euro für Weltraumprojekte und seine Sicherheitsarchitektur im All bereit. Bei der ESA-Ministerratskonferenz in Bremen habe Deutschland zudem rund 5,4 Milliarden Euro für europäische Raumfahrtprogramme zugesagt.
„Die Startkapazität droht zum Flaschenhals zu werden. Wir können Satelliten planen und finanzieren – wenn die Raketen fehlen, bleiben sie am Boden. Europa muss deshalb seine eigenen Kapazitäten ausbauen. Dazu brauchen wir die Ariane 6.“
Es brauche aber auch andere, kleinere und flexiblere Systeme, so der Bürgermeister: „Auch neue europäische Micro Launcher gehören dazu. Sie können für bestimmte Missionen genau richtig sein. Aber sie ersetzen keine Ariane 6. Europa braucht verschiedene Raketen für verschiedene Aufgaben – und vor allem genügend davon.“
Perspektive der Beschäftigten
Das Ganze habe zudem die Perspektive der Beschäftigten, sagte Bovenschulte: „Ein höheres Tempo darf nicht bedeuten, dass die Beschäftigten dauerhaft jede Lücke auffangen. Wer mehr Raketen will, muss in Personal, Ausbildung und gute Arbeitsbedingungen investieren. Darüber müssen Unternehmensleitung, Betriebsrat und Gewerkschaften offen sprechen.“
Leiharbeit könne helfen, Spitzen abzufedern, für die Grundlast sei sie aber kein Weg: „Wo Menschen langfristig gebraucht werden, sollte ernsthaft über Übernahmen gesprochen werden. Denn Kompetenz ist Wissen plus Erfahrung – und Erfahrung bleibt nur im Betrieb, wenn Menschen auch eine Perspektive haben.“
Neue Trends der Raumfahrt
Für Bremen bestehe die Hoffnung, auch an neuen Trends der Raumfahrt zu partizipieren. Sollte Europa stärker in astronautische Raumfahrt, die Wiederverwendbarkeit der Systeme oder sicherheits- und verteidigungspolitische Fähigkeiten im Weltraum einsteigen, müsse Bremen mit seiner Expertise dabei sein. „Nicht am Rand, sondern mit einer wesentlichen Rolle. Dafür braucht es Investitionen in Forschung und Entwicklung, aktive Geschäftsentwicklung am Standort und eine strategische Personal- und Kompetenzplanung. Zukunft fällt nicht vom Himmel – auch nicht in der Raumfahrt.“
Bovenschulte sagte den Beschäftigten zu, sich dafür gegenüber dem Bund und der europäischen Raumfahrtagentur ESA einzusetzen.
Quelle: Senat Bremen






