In Bremen zeigt ein Fall aus jüngerer Zeit, wie ein Schockanruf misslingen kann: Eine 92-Jährige erhielt am Mittwochnachmittag einen Anruf, in dem ein Mann behauptete, ihre Tochter habe einen schweren Unfall verursacht und benötige eine hohe Bargeldsumme als Kaution. Die Tochter befand sich zu diesem Zeitpunkt jedoch im selben Haus. Die Seniorin erkannte den Betrugsversuch, spielte am Telefon aber zum Schein mit, während die Tochter die Polizei alarmierte. Als am Abend zwei Männer das Geld abholen wollten, nahmen die zuvor in Position gebrachten Beamten zwei 30 Jahre alte Ukrainer fest. Die Staatsanwaltschaft ordnete Untersuchungshaft an.
Der Fall steht für drei Maschen, vor denen die Polizei Bremen warnt.
Enkeltrick: Die Täterin oder der Täter gibt sich am Telefon als Verwandte oder gut bekannte Person aus und schildert eine emotionale Geschichte, etwa einen finanziellen Notfall oder eine dringende Investition. Ausgenutzt werden Scham oder das Verantwortungsgefühl der Angerufenen, um sie zur Übergabe von Geld zu bewegen.
Schockanruf: Vorgetäuscht wird ein dramatischer Notfall, etwa ein schwerer Unfall oder eine Verhaftung eines nahen Angehörigen. Häufig gibt sich eine weitere Person als Polizist, Anwältin oder Arzt aus, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Ziel ist, dass die Opfer aus Panik Geld als vermeintliche „Kaution“ übergeben.
Falsche Polizisten: Anrufende nutzen eine manipulierte Telefonnummer, die im Display „110“ oder eine andere vermeintliche Polizeinummer anzeigt, und behaupten eine akute Gefahrenlage, etwa Einbrüche in der Nachbarschaft oder kriminelle Aktivitäten auf dem Bankkonto. Verlangt wird die Herausgabe von Bargeld oder Schmuck zur angeblichen „Sicherstellung“.
Auch an der Haustür sind Betrüger aktiv: Als falsche Handwerker oder Mitarbeitende von Strom- und Gasanbietern verschaffen sie sich Zutritt zur Wohnung und lenken die Bewohnerinnen und Bewohner ab, um unbemerkt zu stehlen. Ähnlich gehen falsche Dachdecker vor, die spontan angebliche Reparaturen anbieten, oder Personen, die sich als neue Nachbarn ausgeben.
Die Polizei Bremen rät zu folgendem Verhalten:
– Keine persönlichen, familiären oder finanziellen Informationen am Telefon preisgeben.
– Bei Anrufen von vermeintlichen Verwandten selbst unter der bekannten Nummer zurückrufen.
– Niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben – auch nicht an angebliche Polizeibeamte.
– Fremde nicht in die Wohnung lassen und Ausweise von Handwerkern oder Behördenmitarbeitenden genau prüfen.
– Bei Verdacht auflegen und selbst über den Zentralruf 0421 362-0 oder in dringenden Fällen über die 110 bei der Polizei nachfragen.
Die Polizei betont: Sie ruft niemals von der Nummer 110 an und fordert am Telefon niemals Geld, Wertsachen oder Bankdaten. Wurde bereits Geld übergeben oder überwiesen, sollten Betroffene umgehend die Polizei sowie die eigene Bank informieren. Bei Verlust von EC- oder Kreditkarten hilft der bundesweite Sperrnotruf 116 116.


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