Am Dienstag, 11. August 2026, findet um 17 Uhr das alljährliche Gedenken in Erinnerung an die Opfer des Völkermords in Namibia am Antikolonialdenkmal im Nelson-Mandela-Park statt. Der Ort liegt in der Grünanlage an der Gustav-Deetjen-Allee.
Nach Grußworten von Finanzsenator Björn Fecker und Dr. Thomas Köcher von der Landeszentrale für politische Bildung Bremen hält die Bremer Ethnologin Silke Seybold einen Vortrag mit dem Titel „Über postkoloniale Provenienzforschung und die Frage der Rückgabe. Ein Blick auf die Herero-Sammlung aus Namibia im Übersee-Museum Bremen“.
Ausgangspunkt des Vortrags ist eine Aussage von Kaufmann Hälbich, der 1908 gegenüber dem Museum erklärte: „Alles, was an die alten Zeiten erinnerte, ist verloren gegangen – für immer.“ Anhand dieses Beispiels stellt Seybold dar, wie die gut 300 Gegenstände der Herero nach Bremen gelangten und wie heute mit der postkolonialen Provenienzforschung und Rückgabefragen umgegangen wird. Seybold studierte Ethnologie mit Schwerpunkt Afrika, Geographie und Pädagogik in Mainz und London. Ab 1999 entwickelte sie das Historische Bildarchiv am Übersee-Museum Bremen, seit 2003 ist sie dort Kuratorin Afrika. Zudem ist sie Lehrbeauftragte an der Universität Bremen.
Im weiteren Programm sprechen Worte des Gedenkens von Manfred Hinz, gefolgt von einer Schweigeminute und einer Blumenniederlegung. Die Moderation übernimmt Virginie Kamché vom Afrika-Netzwerk, die zugleich Vorsitzende des Landesdekolonisierungsbeirats Bremen ist.
Der Termin erinnert an die Schlacht von Ohamakari am Waterberg am 11. August 1904, den Auftakt des Völkermords an den Ovaherero, Ovambanderu, Nama und Damara. Generalleutnant Lothar von Trotha führte als Oberbefehlshaber der Kolonialtruppen den deutschen Militäreinsatz als „Rassenkampf“ und Vernichtungskrieg. Bis 1908 dauerten der Kolonialkrieg und die systematische Verfolgung an, auch gegen die San richteten sich Mordaktionen der sogenannten Schutztruppe. Bis zu 90.000 Menschen wurden dabei ermordet, starben durch militärische Gewalt, Verdursten und Verhungern auf der Flucht oder durch Zwangsarbeit in Konzentrationslagern der deutschen Kolonie. Deutschland erkennt die Massaker heute als Völkermord an.
Bremen war als Hafenstadt zentraler wirtschaftlicher Akteur im deutschen Kolonialismus. Bremer Kaufleute wie Adolf Lüderitz und Heinrich Vogelsang drängten frühzeitig auf den Erwerb von Übersee-Gebieten und waren stark in Kolonialhandel und Ausbeutung involviert.
Veranstalter sind die Landeszentrale für politische Bildung Bremen, die Senatskanzlei, der Verein „Der Elefant!“ e.V., das Afrika Netzwerk Bremen, das Bremer Afrika-Archiv e.V. und der Senator für Kultur, in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Huchting und der LAG Selbsthilfe Bremen e.V.
Quelle: Senat Bremen


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