Das Bremer Start-up Flucto hat ein System entwickelt, das den Bau von Offshore-Windparks sicherer und effizienter machen soll. Kernstück sind intelligente Sensor-Boxen sowie ein „digitales Cockpit“, das alle Installationsdaten in Echtzeit bündelt und auswertet.
Der Aufbau eines Offshore-Windparks gilt als komplex und teuer: Inklusive der Kosten für das Installationsschiff müssen Auftraggebende mit mehreren 100.000 Euro pro Tag rechnen. Kommt es zu unvorhergesehenen Stillständen, entstehen hohe zusätzliche Kosten. „In unserem aktuellen Projekt in der polnischen Ostsee konnten wir viele kritische Situationen entschärfen“, sagt Gründer Aljoscha Sander.
Der Ursprung des Unternehmens liegt in einem Forschungsprojekt an der Universität Bremen, an dem Sander als wissenschaftlicher Mitarbeiter beteiligt war. Ziel war es damals, Installationszeiten beim Bau von Offshore-Windparks zu verkürzen und Kosten zu senken. Sander, der an der Hochschule Bremen seinen Master in Bionik gemacht hat, stellte dabei fest, dass es kaum praxisnahe Echtzeitdaten gab: „Da steht jemand mit einem Klemmbrett und notiert Daten, die er später in eine Excel-Tabelle überträgt.“
Aus Standardkomponenten entwickelte das Team eine sogenannte Motion Sensor Box in der Größe eines Schuhkartons. Sie wird an Bauteilen wie Masten oder Rotorblättern angebracht und misst Bewegungen, Schwingungen und Umweltparameter, inzwischen ergänzt durch Kameraaufnahmen.
Aus der Industrie kam später die Anfrage, das System kommerziell verfügbar zu machen. Seit 2023 führt Carolina Gomez Rodriguez, Wirtschaftsingenieurin, gemeinsam mit Sander die Geschäfte von Flucto. Ergänzt wurde das Sensor-System um ein digitales Cockpit, das Daten von verschiedenen Monitoren an Bord – etwa von Kran, Rammhammer oder Bodenvermessung – zusammenführt und per Ampelsystem anzeigt, ob Werte im zulässigen Bereich liegen.
2025 wurde Flucto als Bremer Landessieger mit dem KfW Award Gründen ausgezeichnet. Das Unternehmen war bislang bei Offshore-Installationen in Taiwan, Dänemark, Schottland, den Niederlanden sowie aktuell in Polen im Einsatz und beschäftigt zehn Mitarbeitende. Während laufender Aufträge sind jeweils zwei von ihnen im Zwölf-Stunden-Wechsel auf dem Installationsschiff im Einsatz.
Perspektivisch soll das System automatisiert und von Bremen aus bedient werden können. Flucto ist seit der Gründung ohne Fremdkapital finanziert. Bremen bleibe als Unternehmensstandort gesetzt, auch wenn bisher keine Aufträge aus Deutschland dabei waren, so Gomez Rodriguez, die 2012 für ihr Masterstudium nach Bremen kam.


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