StartBildungBremen: Neue Gruppentherapie gegen Perfektionismus an der Hochschulambulanz

Bremen: Neue Gruppentherapie gegen Perfektionismus an der Hochschulambulanz

An der Hochschulambulanz der Universität Bremen startet eine neue Gruppentherapie für Menschen, die unter ihrem Perfektionismus leiden. Das Angebot trägt den Namen COMPASS-Gruppe und wird erstmals an der Psychotherapeutischen Universitätsambulanz über die Lebensspanne (PULS) angeboten.

Lange galt Perfektionismus als Stärke: Wer sich hohe Standards setze, erreiche auch mehr. Die psychologische Forschung hat diese Annahme mittlerweile widerlegt. Erhöhter Perfektionismus fördert demnach vor allem Erschöpfung und Prokrastination und kann im schlimmsten Fall zu ernsthaften psychischen Beschwerden führen. Studien zeigen einen Zusammenhang mit Depression, Angststörungen, Essstörungen und Zwängen. Zudem erzielen Menschen mit erhöhtem Perfektionismus keine besseren, tendenziell sogar schlechtere Leistungen als Menschen mit realistischeren Standards.

Perfektionismus zeichnet sich vor allem durch fehlende Flexibilität aus: Betroffene erlauben sich keine Ausnahmen, selbst wenn eine Situation es verlangen würde, die eigenen Standards loszulassen – ob im Beruf oder im Privatleben. Behandlungsangebote für perfektionistische Patient:innen zielen deshalb darauf ab, psychische Flexibilität zurückzugewinnen.

Die COMPASS-Gruppe umfasst vier wöchentliche Sitzungen. Der Name leitet sich von den verhaltenstherapeutischen Konzepten ab, die in das Programm eingeflossen sind. Zum einen steht COMPASS für „compassion“, englisch für Mitgefühl: Basierend auf der Mitgefühlsbasierten Therapie („Compassion Focused Therapy“) sollen Patient:innen lernen, den eigenen strengen Ansprüchen mit mehr Selbstmitgefühl zu begegnen. Zum anderen steht COMPASS für den Kompass, der in der akzeptanzbasierten Therapie („Acceptance and Commitment Therapy“) eine wichtige Rolle spielt und Orientierung auf dem Weg zu einem erfüllten Leben bieten soll. Die vier Sitzungen sollen einen freundlicheren Blick auf die eigenen Ansprüche sowie einen flexibleren Umgang mit schwierigen Gefühlen fördern.

Angeboten wird die COMPASS-Gruppe als sogenannte gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung. Dieses Format soll einen schnellen und bürokratisch unkomplizierten Einstieg in die ambulante Versorgung ermöglichen. Da bislang noch keine wissenschaftlich geprüften Programme für dieses Format existieren, kann die COMPASS-Gruppe künftig eine Versorgungslücke schließen. Besonders geeignet ist das Angebot für Patient:innen mit wenig psychotherapeutischer Vorerfahrung, die sich vor einer anschließenden Richtlinientherapie zunächst Orientierung verschaffen möchten.

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